Stahlhandel Software: Anfragen mit KI automatisieren

Stahlhandel Software: Anfragen mit KI automatisieren

Stahlhandel Software: Anfragen mit KI automatisieren

Stapel Stahlrohre

MERCURA JOURNAL

Branchen

26. Oktober 2026

ca. 6 Minuten

Stefan Zheng, Mitgründer & CPO

INHALT

  1. Warum sind Anfragen im Stahlhandel anders als in anderen Großhandelsbranchen?

  2. Wie zerlegt KI eine Stahlanfrage in Positionen?

  3. Beispiel: Anfrage eines Metallbaubetriebs

  4. Was muss ein ERP im Stahlhandel können und was übernimmt KI?

  5. Wann lohnt sich KI im Stahlhandel nicht?

  6. Wie lässt sich der Nutzen im eigenen Stahlhandel prüfen?

  7. Fazit

  8. Häufige Fragen

„8 St. HEA 200 S355J2, L = 7.450 mm gesägt, 14 IPE 160 in Lagerlänge, dazu 4 Brennzuschnitte aus 10er Blech und für alles in S355 ein 3.1-Zeugnis.“ Eine solche Anfrage eines Metallbauers enthält keine einzige Artikelnummer, aber sechs Entscheidungen: Profil, Güte, Länge, Anarbeitung, Zeugnis und Lieferform. Stahlhandel-Software mit KI liest solche Anfragen, zerlegt sie in Positionen und Merkmale und bereitet das Angebot im ERP vor. Preisfindung und Freigabe bleiben beim Händler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anfragen im Stahlhandel werden über Merkmale beschrieben (Profil, Abmessung, Werkstoff, Länge), nicht über Artikelnummern.

  • Zum Material kommen Anarbeitung (Sägen, Brennschneiden, Strahlen), Zeugnisse nach EN 10204 und Zuschläge, die im Angebot nicht fehlen dürfen.

  • KI-Software wie Mercura liest Anfragen aus E-Mail, PDF, Excel oder Scan, ordnet die Positionen dem Sortiment zu, prüft die geforderte Güte und markiert Unklares.

  • Preise, Zuschläge und Anarbeitungskalkulation bleiben im ERP beziehungsweise in der Stahlhandel-Software des Händlers.

  • Für den Stahlhandel gibt es bei Mercura keine öffentliche Fallstudie; der Nutzen sollte mit einem Test auf eigenen Anfragen geprüft werden.

Warum sind Anfragen im Stahlhandel anders als in anderen Großhandelsbranchen?

Anfragen im Stahlhandel sind anders, weil Kunden Material über Merkmale bestellen: Profilreihe, Abmessung, Werkstoffgüte, Länge, Oberfläche und gegebenenfalls Zeugnis. Ein Artikel im ERP entsteht oft erst aus der Kombination dieser Merkmale, und dieselbe Position kann in Stück, Meter, Kilogramm oder Tonne angefragt werden. Dazu kommen die Lieferbedingungen: Für Metallbauer zählen neben dem Preis vor allem Verfügbarkeit und eine schnelle Lieferung auf die Baustelle.

Hinzu kommen typische Eigenheiten der Branche:

  • Längen und Zuschnitte: Lagerlängen, Fixlängen und gesägte Zuschnitte sind jeweils eigene Leistungen mit eigener Preislogik.

  • Gewicht als Rechengröße: Viele Positionen werden über das Gewicht kalkuliert. Metergewicht mal Länge mal Stückzahl ergibt die Menge, auf die der Preis wirkt.

  • Zuschläge: Neben dem Grundpreis gibt es je nach Werkstoff Güte-, Abmessungs- oder Legierungszuschläge. Ein Legierungszuschlag bildet laut tacto Einkäufer-Lexikon die aktuellen Marktpreise für Legierungselemente ab und wird monatlich oder quartalsweise angepasst.

  • Zeugnisse: Im Stahlbau werden häufig Prüfbescheinigungen nach EN 10204 verlangt, meist ein Werkszeugnis 2.2 oder ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1. Nach LRQA enthält ein 3.1-Zeugnis Ergebnisse spezifischer Prüfungen am Lieferlos und wird von einer von der Fertigung unabhängigen Prüfstelle des Herstellers ausgestellt.

  • Kurze Preisgültigkeit: Stahlpreise schwanken, Angebote gelten daher oft nur kurz. Wer langsam anbietet, muss häufiger neu rechnen.

Wie zerlegt KI eine Stahlanfrage in Positionen?

KI zerlegt eine Stahlanfrage, indem sie jede Zeile in ihre Merkmale aufteilt (Profil, Abmessung, Güte, Länge, Menge, Anarbeitung, Zeugnis), diese Merkmale gegen Artikelstamm und Produktdaten prüft und die passenden Artikel vorschlägt. Fehlt ein Merkmal oder ist es widersprüchlich, wird die Zeile markiert.

Bestandteil der Anfrage

Beispiel

Warum schwierig

Was die Software tut

Profil und Abmessung

HEA 200, Quadratrohr 80x80x4

Schreibweisen variieren („HE 200 A“, „QRR 80/4“)

Normalisiert die Schreibweise, ordnet den Artikel zu

Werkstoffgüte

S355J2, S235JR

Güte bestimmt Artikel und Preis

Prüft die Güte gegen die Produktdaten, markiert Abweichungen

Länge und Menge

8 St. à 7.450 mm, 60 m, Lagerlänge 12 m

Mischung aus Stück, Meter, Lagerlänge

Strukturiert Menge und Länge je Position

Anarbeitung

gesägt, gebrannt, gestrahlt

Eigene Leistungsposition mit eigener Kalkulation

Erkennt die Anforderung und weist sie als Zusatzposition aus

Zeugnis

3.1 für alle S355-Positionen

Gilt für mehrere Zeilen gleichzeitig

Überträgt die Anforderung auf die betroffenen Positionen

Lieferung

frei Baustelle

Fracht und Entladung

Ergänzt Zuschlagszeilen wie Fracht

Beispiel: Anfrage eines Metallbaubetriebs

Das folgende Beispiel ist anonymisiert und vereinfacht. Es zeigt, wie Mercura, eine KI-Software für Angebots- und Auftragsautomatisierung im technischen Vertrieb, eine typische Anfrage verarbeiten würde.

Beispiel: E-Mail-Anfrage für eine Hallenerweiterung

Betreff: Anfrage BV Hallenerweiterung, Liefertermin KW 9

  • 8 St. HEA 200, S355J2, L = 7.450 mm, gesägt

  • 14 St. IPE 160, S235JR, Lagerlänge 12 m

  • Flachstahl 100 x 10, S235JR, 60 m

  • Quadratrohr 80 x 80 x 4, S355, 6 Stangen à 6 m

  • Blech 10 mm, S355J2+N, 4 Zuschnitte 450 x 600 mm, gebrannt

  • Für alle S355-Positionen Zeugnis 3.1

  • Lieferung frei Baustelle

Der Ablauf:

  1. Erfassen: Sieben Zeilen werden gelesen; die Zeugnis- und Lieferzeile werden als Anforderungen erkannt, die für andere Positionen gelten.

  2. Zuordnen: Profile, Rohre und Bleche werden mit dem Artikelstamm abgeglichen, Schreibweisen vereinheitlicht.

  3. Prüfen: Beim Quadratrohr fehlt die genaue Gütebezeichnung („S355“ ohne Zusatz). Die Zeile wird markiert. Ob eine höhere Güte als Ersatz angeboten wird, entscheidet der Verkäufer, nicht die Software.

  4. Anarbeitung und Zeugnisse: Sägeschnitte, Brennzuschnitte und 3.1-Zeugnisse werden als zusätzliche Anforderungen an den jeweiligen Positionen ausgewiesen. Die Kalkulation dieser Leistungen bleibt im ERP.

  5. Ranken und anfragen: Erfüllen mehrere Artikel die Anforderung, werden konforme Optionen nach Marge sortiert. Was nicht am Lager ist, geht als Preisanfrage an den Lieferanten; die Antwort wird zurückgelesen.

  6. Freigeben: Der Innendienst prüft, ergänzt Preise und Zuschläge aus dem ERP und gibt frei. Das Angebot wird ins ERP geschrieben und zur Wiedervorlage vorgemerkt, damit es bei kurzer Preisgültigkeit rechtzeitig nachgefasst wird.

Was muss ein ERP im Stahlhandel können und was übernimmt KI?

Ein ERP im Stahlhandel muss Artikel mit Gewichten und Abmessungen, Grundpreise und Zuschläge, Anarbeitung, Chargen und Zeugnisse sowie Lager mit Reststücken abbilden. KI-Software ersetzt das nicht, sondern übernimmt den Schritt davor: aus unstrukturierten Anfragen und Bestellungen strukturierte Vorgänge machen, die das ERP weiterverarbeitet.

Mercura bleibt dabei bewusst außerhalb der Preislogik. Preise und Kalkulation bleiben im ERP, das ERP bleibt das führende System. Angebunden werden unter anderem SAP S/4HANA, SAP ECC, SAP Business One, Microsoft Dynamics 365, Salesforce, proALPHA und UniTrade; bei SAP läuft die Echtzeit-Anbindung über OData, alternativ als IDoc-Datei, andere Systeme über eine API oder per SFTP. Die Verbindung läuft nur über Wege, die Ihre IT freigibt. Mehr dazu unter Integrationen und im Beitrag SAP-Auftragserfassung mit KI.

Auch Bestellungen und Abrufe lassen sich so verarbeiten: Die Software holt sie aus dem gemeinsamen Postfach, leitet sie an Niederlassung oder Sachbearbeitung weiter, übersetzt Kundenbezeichnungen und alte Artikelnummern und bucht nach Freigabe ins ERP (Auftragserfassung automatisieren).

Wann lohnt sich KI im Stahlhandel nicht?

KI lohnt sich im Stahlhandel nicht, wenn der Großteil des Geschäfts bereits strukturiert läuft, etwa über Rahmenverträge mit EDI-Abrufen oder Webshop, oder wenn der Engpass nicht in der Erfassung, sondern in der Anarbeitungskapazität oder im Einkauf liegt. Dann bringt eine bessere Anarbeitungsplanung oder Einkaufsstrategie mehr.

Weitere ehrliche Punkte:

  • Keine Referenz im Stahlhandel: Mercura hat seine öffentlichen Fallstudien im SHK-Großhandel, im Tiefbauhandel und bei Gebäudetechnik-Herstellern. Für den Stahlhandel sollte der Nutzen auf eigenen Anfragen geprüft werden, bevor man Erwartungen formuliert.

  • Spezialisierte Branchen-ERPs: Stahlhandelslösungen mit integrierter Anarbeitungs- und Restlängenverwaltung haben in der Preis- und Fertigungslogik Stärken, die eine KI-Schicht nicht ersetzt.

  • Zeichnungsteile: Komplexe Brennteile nach Zeichnung brauchen Konstruktionsdaten und Schachtelung. Die Software kann die Anfrage strukturieren, nicht die Fertigung planen.

  • Volatile Preise: Die KI liefert keine Marktpreisprognose. Wie aktuell ein Angebot ist, hängt an den Preisen im ERP.

Wie lässt sich der Nutzen im eigenen Stahlhandel prüfen?

Der Nutzen lässt sich am besten mit einem technischen Test auf eigenen Anfragen und dem eigenen Artikelstamm prüfen; dieser ist in der Regel innerhalb von zwei Arbeitstagen möglich. Erste Workflows sind meist in weniger als vier Wochen live, ohne Vorab-Training und auch mit unvollständigen Produktdaten, weil Datenblätter und Katalogtexte mitgelesen werden.

Sinnvoll ist eine Stichprobe, die das echte Tagesgeschäft abbildet: einfache Lagerbestellungen, Anfragen mit Anarbeitung, Anfragen mit Zeugnisanforderung und ein bis zwei Stücklisten aus Projekten. Über alle Kunden liegt die durchschnittliche Trefferquote beim Zuordnen bei 92 %, sie hängt aber stark von Kunde und Katalog ab, deshalb zählt der Test mit den eigenen Daten. Mercura ist nach ISO/IEC 27001 zertifiziert, DSGVO-konform, hostet in Europa und nutzt Kundendaten nicht zum Training externer KI-Modelle. Mehr unter Angebote und Ausschreibungen und Lösungen für Händler.

Testen Sie es mit Ihrer eigenen Anfrage Bringen Sie eine echte Stahlanfrage oder Bestellung mit: In 30 Minuten zeigen wir, wie Mercura sie in Ihrem Prozess verarbeitet. Termin vereinbaren

Fazit

Im Stahlhandel steckt die Arbeit nicht im Suchen von Artikelnummern, sondern im Zerlegen von Anfragen in Profil, Güte, Länge, Anarbeitung und Zeugnis. Genau diesen Schritt kann KI vorbereiten und Unklares markieren, während Preise, Zuschläge und Anarbeitungskalkulation im ERP bleiben. Weil es für den Stahlhandel noch keine öffentliche Fallstudie gibt, ist ein Test auf eigenen Anfragen der ehrlichste Weg zur Entscheidung.

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Häufige Fragen

Welche Software braucht ein Stahlhandel? Ein Stahlhandel braucht ein ERP, das Gewichte, Abmessungen, Zuschläge, Anarbeitung, Chargen und Zeugnisse abbildet. KI-Software ergänzt das für Anfragen und Bestellungen, die unstrukturiert per E-Mail, PDF, Excel oder Scan eingehen.

Kann KI Stahlanfragen ohne Artikelnummern verstehen? Ja, die Software liest Merkmale wie Profil, Abmessung, Güte und Länge und ordnet sie Artikeln aus dem eigenen Sortiment zu. Fehlende oder widersprüchliche Angaben werden markiert.

Berechnet die KI Zuschläge und Anarbeitung? Nein, Preise, Zuschläge und Anarbeitungskalkulation bleiben im ERP. Die Software erkennt die Anforderungen und weist sie an den Positionen aus.

Was ist ein 3.1-Zeugnis im Stahlhandel? Ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 bescheinigt Ergebnisse spezifischer Prüfungen am Lieferlos und wird von einer von der Fertigung unabhängigen Prüfstelle des Herstellers ausgestellt. Im Stahlbau wird es häufig für tragende Bauteile angefragt.

Hat Mercura Referenzkunden im Stahlhandel? Mercura hat für den Stahlhandel keine öffentliche Fallstudie. Öffentliche Referenzen gibt es aus dem SHK-Großhandel, dem Tiefbauhandel und von Gebäudetechnik-Herstellern.

Ersetzt KI-Software ein Stahlhandels-ERP? Nein, das ERP bleibt das führende System für Artikel, Preise, Lager und Belege. Die KI bereitet Angebote und Aufträge vor und übergibt sie nach Freigabe an das ERP.

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